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Tabuthema

Mundgeruch

Gesundheitsblog April 2019

Tabuthema Mundgeruch

Ein heimtückischer Begleiter ist er, denn meist registrieren ihn nur die Mitmenschen: Die Rede ist vom Mundgeruch, in der Fachsprache auch Halitosis genannt. Kaum jemand mag sein Gegenüber auf den schlechten Atem aufmerksam machen, dabei wären ein paar dezente, aber offene Worte durchaus hilfreich, denn gegen die üblen Gerüche kann man viel tun. Leider ist Mundgeruch nach wie vor ein Tabuthema, um das sich viele falsche Vorstellungen ranken und entgegen der landläufigen Meinung liegt die Hauptursache nicht in einer Erkrankung des Magen-Darm-Traktes. Vielmehr ist bei den meisten Betroffenen die Mundhöhle oder der Nasen-Rachen-Raum Tatort des Geschehens.

Was ist Halitosis?

Der medizinische Begriff Halitosis wird allgemein als Synonym für Mundgeruch verwendet. Er stammt von dem lateinischen Wort „halitus“ ab und bedeutet soviel wie Hauch, Dunst, Atem. Man versteht darunter einen Mundgeruch, der von der Umgebung als sehr intensiv und unangenehm wahrgenommen wird und der selbst bei geschlossenem Mund durch die Nase strömt. Seit einiger Zeit ist Halitosis durch neue Forschungsergebnisse objektiv diagnostizierbar und in den meisten Fällen leicht zu bekämpfen.

Wie entsteht Mundgeruch?

In unserem Mund leben mehr als 300 verschiedene Arten von Bakterien. Unter ihnen befinden sich auch Fäulnisbakterien, die Speisereste zersetzen und dabei Schwefelverbindungen freisetzen. Je mehr, desto intensiver wird der Geruch. Dies ist vor allem bei eiweißhaltigen Nahrungsmitteln wie Milch, Fleisch oder Fisch der Fall. Bei nicht ausreichender Mundhygiene können sich die Bakterien explosionsartig vermehren und heftige Schwefelgerüche produzieren.

Erst in den letzten Jahren ist die Zungenoberfläche dabei in den Fokus gerückt: Mehr als zwei Drittel aller Mundgeruchsfälle sollen demnach auf Zungenbelag zurückzuführen sein. Natürlich gibt es neben der Zunge noch diverse andere Übeltäter, die für schlechten Atem verantwortlich sein können.

Generell unterscheidet man bei der Ursachenfindung zwischen oralen (auf die Mundhöhle beschränkte) und nicht orale Ursachen.

Zu den oralen Ursachen zählen:

  • Entzündungen der Mundschleimhaut, des Zahnfleisches oder des Kiefers
  • Mangelhafte Zahn- & Zungenpflege
  • Karies, offene Wurzelkanäle oder Zahnfleischtaschen
  • Bösartige Tumoren
  • Infektionen im Nasen-Rachen-Raum und der Mundhöhle (z.B. Pilzinfektionen)
  • Essensrückstände im Mund oder in den Zahnzwischenräumen

Zu den nicht oralen Ursachen zählen:

  • Allgemeinerkrankungen wie z.B. Infektionen der Atemwege, Lebererkrankungen, Diabetes
  • Hormonschwankungen
  • Einnahme spezieller Medikamente, die den Speichelfluss reduzieren
  • Genussgifte wie Alkohol und Nikotin
  • Bestimmte Nahrungsmittel wie z.B. Zwiebeln, Knoblauch
  • Störung der Darmflora z.B. durch Nahrungsmittelallergien

Wie diagnostiziert man Mundgeruch?

Die einfachste Art, um festzustellen, ob man tatsächlich störenden Mundgeruch hat, ist einen vertrauten Menschen anzuhauchen und anschließend um eine ehrliche Antwort zu bitten. Alternativ ist der Zahnarzt oder die Zahnärztin der Ansprechpartner der ersten Wahl. Sie können ggf. organische Ursachen in der Mundhöhle aufspüren und behandeln. Ist die verständliche Scheu vor dem Thema erst einmal überwunden, kann man auch über ein vermeintliches Tabuthema wie Mundgeruch ganz normal sprechen. Immer mehr Zahnärzte bieten mittlerweile eine eigene Halitosis-Sprechstunde an. Auch einzelne Universitäts-Zahnkliniken wie z.B. die Berliner Charité, nehmen sich des Themas gezielt an: Sie verfügen über sogenannte „Halimeter“, die durch eine Analyse des Atems und der dabei ausgeatmeten Gase mögliche Ursachen des störenden Mundgeruchs feststellen können.

Wichtig:

Sollte nach der zahnärztlichen Kontrolle keine mundhöhlenbezogene Ursache für den Mundgeruch erkennbar sein, ist ein Besuch beim Hausarzt oder Internisten empfehlenswert. Dadurch können mögliche Erkrankungen anderer Organe diagnostiziert und entsprechend behandelt werden.

 

 

 

Wie bekämpft man Mundgeruch?

Neben der täglichen und intensiven Zahnhygiene gibt es zwei Maßnahmen, die Mundgeruch effektiv und nachhaltig bekämpfen können:

  1. Professionelle Zahnreinigung: Es gibt einige Bereiche im Mund, die sich trotz sorgfältiger Zahnpflege nicht so leicht reinigen lassen. Eine professionelle Zahnreinigung kann hier weiterhelfen. Dabei werden Zahnbeläge auch an schwer erreichbaren Stellen entfernt, die Zähne werden poliert und abschließend mit Fluor vor Karies geschützt. Das geschulte Personal in der Zahnarztpraxis gibt darüber hinaus individuelle Tipps, wie der Patient selbst mit verschiedenen Hilfsmitteln wie z.B. Zahnseide oder kleinen Bürstchen schwer erreichbare Stellen reinigen kann. Diese sogenannte Individualprophylaxe ist dabei keine einmalige Sache, sondern sollte in regelmäßigen Abständen erfolgen.
  2. Zungenreinigung: Da Zungenbelag als Hauptursache für Mundgeruch identifiziert wurde, sollte man eine Reinigung der Zunge in die tägliche Mundhygiene integrieren. Dafür gibt es spezielle Zungenbürsten und -schaber, die ganz hinten auf dem Zungenrücken angesetzt werden, um anschließend nach vorne gezogen zu werden. Diese Prozedur wird sooft wiederholt, bis der störende Belag abgeschabt ist. Mittlerweile bieten einige Zahnarztpraxen sogar eine professionelle Zungenreinigung an. Dabei wird der Zungenbelag entweder mit einem Schallsystem oder rotierenden Bürstchen entfernt. Antibakterielle Gele unterstützen diese Behandlung und zögern so die Neubesiedelung der Zunge etwas hinaus.

Übrigens:

Oft lässt sich der unangenehme Begleiter schon mit ein paar einfachen zusätzlichen Tricks erfolgreich in die Flucht schlagen. So leistet beispielsweise Milch – egal ob warm oder kalt getrunken - Soforthilfe bei Mundgeruch. Auch der Genuss von Äpfeln und Apfelessig, verdünnt mit Wasser, vertreibt schlechten Atem recht zuverlässig. Als wahre Wunderwaffe soll zudem Heilerde wirken. In Wasser aufgelöst und nach jeder Mahlzeit getrunken, wirkt sie von innen heraus und lässt üblem Mundgeruch keine Chance.